Wassertöchter
 
 
Es sind gute Zeiten für die hochbegabte Fallanalystin Emma Carow. Sie ist glücklich. Frisch verliebt. Die Dämonen der Vergangenheit ruhen. Emma kann einschlafen, ohne an ihre brutale Vergewaltigung vor vielen Jahren zu denken. Auch mit ihren Kollegen kommt sie besser klar. Dann findet eine Vergewaltigung statt. Das Opfer hat dreizehn Schnittwunden, eingeritzt mit einem sehr scharfen Messer. Genau wie bei Emmas Vergewaltigung. Emma ist sicher, dass ihr Vergewaltiger Uwe Marquardt der Täter war. Und dass eine grauenhaft zugerichtete Wasserleiche, die kurze Zeit später auftaucht, ebenfalls auf sein Konto geht. Niemand glaubt ihr. Die Dämonen kehren zurück. Und Emma beginnt auf eigene Faust zu ermitteln.
 
 
Die Story an sich ist ja schon öfter vorgekommen das einen Dämonen aus der Vergangenheit auftauchen. 
Aber trotzdem ist es immer mal wieder Spannend.
Gerade hier ist es wirklich eine Spannende Story mit Emma.
Auch steht sie recht alleine da mit ihrer Meinung das es auch ihr Vergewaltiger war, der die neuen Taten begannen hat. Das weckt natürlich den Starken willen in Emma aus es sich zu Beweisen und den anderen das sie Recht hat. So geht es in eine Spannende Entwicklung in der Story.
Hat sie Recht ist es derselbe Täter? Kann sie den Fall lösen? Wird ihr geglaubt? Bekommt sie Unterstützung ? Das alles lest ihr im Buch.
 
 
Leseprobe
 
Glücklich.
 
Emma probierte das Wort aus. Sie nahm es in den Mund. Kostete es vor. Rollte es auf der Zunge, ehe sie es sagte. »Glücklich.« Könnte giftig sein. Es schmeckte ungewohnt. So wie sich die Lippen spitzten, dann wieder entspannten, zu einer Art Lächeln fast. Glücklich. Ein Wort, das lächeln machte. Ein komisches Wort, ein mysteriöses Wort, ein Fremdwort. Man müsste mal nachschlagen, woher es kommt, was es wirklich bedeutet. So ein Wort, alle benutzen es, jeden Tag, aber keiner weiß, was es heißt. Außer ihr. Vielleicht. Sie lächelte. War das Glück? Fühlte es sich so an? Sie roch ihn noch. Auf ihrer Haut, in ihrem Haar, an ihren Laken. Sein Aftershave. Billig, wie sich das für einen Kerl gehört. Und seinen Schweiß. Sie kannte seinen Geruch, wenn er sie im Auto oder bei einer Begrüßung flüchtig streifte, klar, aber wenn er Liebe machte, veränderte er sich. Intensiver, heißer, frischer wurde er. Dieser frische Schweiß roch besser als das beste Aftershave. Sie hob den Blick. Über die Hügellandschaft der zerwühlten Decken hinweg. Die Kopfkissen, wo waren die Kopfkissen? Da unten, auf dem Boden, eins. Das andere zu ihren Füßen. Sie lag verkehrt herum, deshalb. So war sie eingeschlafen. Ihr Bett. Komisch. Diese Worte, so selbstverständliche Worte, doch für sie war es nagelneu zu sagen: »Das ist mein Bett.« Nicht, weil sie es selbst ausgesucht und gekauft hatte, mit ihrem eigenen Geld, nicht, weil es in ihrer eigenen Wohnung stand, zu der    nur sie die Schlüssel hatte und an deren Tür mehrere Stangen und Sicherheitsschlösser angebracht waren, nur für den Fall, dass jemand einbrechen und sie überwältigen und vergewaltigen wollte.
 
  Wie er es getan hatte, als sie neunzehn war. Uwe. Der sie an sein Bett band, ihr kranke Liebesworte ins Ohr flüsterte und sie mit seinem Messer schnitt, wie es ihm gefiel, und sie nicht gehen ließ, nicht gehen ließ, drei Tage lang. Seitdem hatte jedes Bett, in dem sie schlief, ihm gehört. Jedes Bett war blutbeschmiert, jede Nacht, in der sie Schlaf fand, träumte sie von seinen Fesseln, jede Nacht wachte sie früher oder später auf und hörte noch den Nachhall seiner Worte, glasklar. Jede Nacht, jedes Bett. Nur diesmal nicht. Diese Nacht hatte sie ihm nicht gehört. Diesmal war es anders. Sie verachtete den Kerl in ihrem Bett nicht, sie verachtete sich selbst nicht, sie vergaß Macht und Ohnmacht, unnützer Kram, sie nahm sich, was sie wollte, und gab alles, sie weinte nicht, sie staunte nur, er schlief in ihren Armen ein, und sie hielt ihn fast die ganze Nacht, erschöpft und zufrieden und irgendwie richtig. Als ob das Bett zum ersten Mal das ihre war. Als ob es nicht genug gewesen war, es mit eigenem Geld zu bezahlen. Sie musste auch noch ihr eigenes Leben darin leben. War das Glück? Selbst bestimmen, wer dir nah sein darf, und ihn dann nicht fortschicken, sondern mit ihm einschlafen, als ob er eine Mauer zwischen dir und deinem Vergewaltiger ist, zwischen dir und dem, was du warst. Zwischen dir und Emma, dem Opfer. Zwischen ganz und gebrochen. Und am nächsten Morgen aufwachen, und das Bett ist immer noch deins. Uwe Marquardt stand nicht vor ihr, flüsterte ihr nicht ins Ohr, war nicht durch ihre Träume gegeistert. Er verblasste. Ihr Bett gehörte ihr, und Uwe verblasste.   
 
Glück. Emma genoss den frischen, rauen, neuen Duft in ihrem großen, leeren Bett, bis sie wusste, sie war spät dran. Sie drehte sich zum Nachttisch und sah etwas Buntes. Sie angelte danach. Ein Flyer. Teneriffa, Finca Paloma. Viele Fotos. Schöne Fotos. Meer, Berge, Blumen, Strand. Samstag in drei Wochen, war darauf gekritzelt, magst du mit? Ich wette, du hast noch 100 Jahre Urlaub. Sind Freunde von mir. Ich bleibe 3 Wochen, mindestens. Sag einfach Ja. Dann lag sie da noch eine Weile länger und grinste. .........
 
 

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